Samstag, 27. August 2016

Und es hat klick gemacht.

Seit wenigen Wochen genießen wir in der Familie das Leben wieder.

Es passierte, als das Baby auf 4 Monate zuging. Es machte auf einmal 'klick' und zack hatte jeder seine Rolle gefunden, das Baby war integriert, Ruhe und Gelassenheit kehrten wieder ein.

Wenn ein Baby geboren wird, so kommt vieles durcheinander. Selbst, wenn man als Familie schon einige Babyerfahrung hat. Aber es müssen erstmal kleine Schwestern zu großen Schwestern werden und große Schwestern zu selbstständigen Großkindern und Eltern zu Eltern, die ihre Kinder diese Schritte auch machen lassen und Mütter müssen sich an das vermehrte Gewusel mit mehreren Kindern gewöhnen…

Das alles dauert seine Zeit. Etwa 4 Monate. Bis man als Familie ankommt, sich an einander gewöhnt hat, jeder seine neuen größeren Schuhe eingelaufen hat.

Es dauert ungefähr 4 Monate. Bei uns. Das war bei T1 so und bei T2 und nun auch bei T3.

Diese 4 Monate sind in etwa die Zeitspanne, die es braucht, bis die Erinnerung, wie es ohne Baby war, verblasst und in den Hintergrund tritt. Nach diesen 4 Monaten kann sich niemand mehr vorstellen, wie es ohne Baby war, es kommt den Kindern und den Eltern vor, wie in einem anderen Leben, dass das Baby nicht da war. Kleinkinder können sich gar überhaupt nicht aktiv an die Zeit vor dem Geschwisterchen erinnern.

Ab diesem Moment gehört das Baby voll und ganz zur Familie.

Und auch bei mir hat es klick gemacht. In den ersten Wochen war es durchaus schwer für mich, den Überblick zu behalten, weil wirklich permanent mindestens ein Kind nach Mama geschrien hat. Und auf einmal alle die gleiche Dringlichkeit einforderten. Da schwirrte mir der Kopf.

Aber nun, hat sich das gelegt. Einfach so. Ich wachte morgens auf und die Ruhe war wieder da, die Harmonie, die Gelassenheit. Aus dem wabernden Nebel hatte sich vor meinem inneren Auge auf einmal wieder ein klares Bild geformt von jedem meiner Kinder. Ich sah auf einmal wieder jedes Kind einzeln für sich in seinem momentanen Entwicklungszustand und konnte wieder abgrenzen, einschätzen, gezielt reagieren.

Und seither gibt es keinen Streit mehr, keine Dramen - kleine Eifersüchteleien zwar - aber nichts Erwähnenswertes. Es ist jetzt einfach wieder gut. Wir sind jetzt wieder eine Familie, eine Einheit, so wie wir es vor T3 waren, ein eingespieltes Team.

Und das tut so unendlich gut.

Seither bin ich wieder ruhig, kann Streitigkeiten vermeiden, hab Zeit und Aufmerksamkeit für jedes Kind.

Ich genieße das. Es ist wunderbar. Wenn auch immer noch anstrengend, denn drei Kinder bedeuten nunmal, dass man kaum eine ruhige Minute mehr hat. Es gibt immer unendlich viel zu tun, wenn die Kinder nicht da sind und natürlich keine ruhige Minute, wenn wir zusammen sind. Ich hab immerzu ein Kind auf dem Arm, dem Schoß, neben mir liegen… Aber ich kann die Große wieder in Ruhe lassen und auch mal Fünfe gerade sein lassen, weil sich die Unordnung in meinem Kopf gelichtet hat. Ich muss weniger ermahnen und das macht viel aus bei den Kindern.

Aber ich bin froh und glücklich und dankbar, dass wir jetzt wieder so eine Einheit sind. Die Großen Schwestern lieben ihre kleine Babyschwester und kümmern sich rührend. Auch weil sie nun merken wie unendlich T3 sie anhimmelt und sehr T3 die beiden liebt. Das hat die Großen vielleicht auch etwas überrascht, dass ein Baby nicht nur Teilen bedeutet, sondern auch Bewunderung und Anerkennung. Es ist die ganz große Liebe und zumindest T1 hat begriffen, dass sie nun ein noch stärkeres Schwestern-Team werden, je größer T3 wird. Die drei passen aber auch wirklich gut zusammen - charakterlich und von ihrer Erlebniswelt her.

Die schwerste Zeit hatte sicherlich T2, denn sie musste mal eben von der kleinen zur großen Schwester werden, die paar wichtigen Schritte vom Kita- zum Kindergartenkind machen und sehr viel selbstständiger und vor allem eigenständiger werden. Sie hat das sehr gut gemeistert.

Jetzt bin ich aber froh, dass wir ein paar große Schritte zusammen gemacht haben. Die vielen kleine Schritte, die ja ständig in der Entwicklung kommen, können uns nun nicht mehr aufhalten.

Das Wichtigste ist dennoch, dass all der Stress und die Unstrukturiertheit, die ein Baby erstmal mit sich bringt, was die alte Ordnung durcheinander bringt, dass ich das nun wieder geordnet habe. Ich bin nun sehr gern mit allen drei Kindern zusammen und selbst samstags allein mit den Kindern einkaufen, oder sonntags mit 3 Kleinen allein ins Freibad bedeuten nun gar keinen Stress mehr für mich.


Freitag, 26. August 2016

Die Ausnahmeerscheinung

Das bin ich - eine Ausnahmeerscheinung.

Mal ernsthaft, ich hab dieses Hormonding einfach nicht. Und so bin ich auch nicht dieser totale Bemutterungstyp. Ich persönlich finde das extrem gut. Ich neige zum Pragmatismus. Mein Verstand regelt den Rest. Wer nicht so emotional ist, der kann sich darauf konzentrieren, praktische einfache Wege zu finden. 
Mein Alltag ist also ziemlich unkompliziert und so unanstrengend, wie nur möglich.
Und ich hab auch nach eingehender Suche dieses schlechte Gewissen nicht gefunden. Darum ist es auch für mich relativ easy mit 3 Kindern. 

Wenn eines weint - auch das Baby - so hab ich nicht das geringste Problem, wenn jemand anders das Trösten übernimmt. Die Oma, oder der Papa oder so. Ich mach das nur, wenn kein anderer zur Verfügung steht. Ist ja oft genug der Fall.

Genauso freue ich mich auf den ersten Kita-Tag des Babys in 2 Wochen. Ich merke, wie wir die kritische Zeit erreicht haben. Mama ist langweilig. Ich muss die ganze Zeit um sie rumkaspern, wenn die Großen im Kindergarten sind. Das ist doof für uns beide. Und wenn sie endlich in der Kita ist, hat T3 die Action, die sie sich wünscht und ich hab Zeit für mich. Ich müsste sie nicht jetzt schon mit knapp 5 Monaten dahin bringen. Aber ich sehe nicht, was mich aufhalten sollte, wenn es für uns beide eine Win-win-Situation ist. Ebenso wie bei der Kombination aus Flasche/Brust, Tragetuch/Kinderwagen etc.

Wenn ich sehe, etwas funktioniert super, dann komm ich gar nicht auf die Idee, das zu hinterfragen, ob das jetzt auch richtig oder gut für's Kind ist. Das Kind meldet sich schon von selbst, wenn ihm was nicht passt. Und wenn sich was ändert und es nicht mehr passt, dann wird eben etwas verändert. Ist ja alles immer abhängig von irgendwelchen Entwicklungsphasen…

Jedenfalls genau das ist der Pragmatismus, den ich kultiviere. Und wie mich zunehmend irritiert, warum andere ein derart aufgeblasenes Gedöns um einfach alles machen, sind die genervt von mir. Mit mir kann man nicht reden. Wenn mich nämlich jemand fragt, wie ich das mache mit 3 Kindern, ob die Kinder durchschlafen, oder wie das mit Essen/Duschen/Anziehen klappt, dann hab ich offensichtlich immer die falschen Antworten parat. 
Will ja keiner hören, dass man den Baby einfach abends ne große Flasche gibt und es dann 6-8 Stunden schläft. Und nein, ich hab keinerlei Erfahrungen mit Koliken, weil meine Kinder nicht dazu neigen und ich außerdem von Geburt an Flaschenmilch mit Probiotika gebe und damit die Besiedlung der Darmschleimhaut künstlich beschleunige. Dann funktioniert die Verdauung des Babys halt schon nach 4 Tagen super und braucht keine 3 Monate. 

Ja, ich kenne eine Menge Tricks und Kniffe, die das Leben einer Mutter sehr leicht machen. Diese Kniffe funktionieren bei meinen Kindern. Bei anderen Kindern vielleicht nicht, aber man muss halt auch mal einige Sachen ausprobieren, um herauszufinden, was geht und was nicht. 

Ich bin extrem liebevoll und emphatisch mit meine Kindern, aber ich mache generell nicht viel Aufhebens und nehme nicht alles so unglaublich wichtig und persönlich. Das spart Zeit und Kraft. Es ist mein Weg. Dass ich dafür oft auch noch angegriffen werde, sagt mir, dass andere sich diese Vereinfachungen wohl auch wünschen, aber aus irgendwelchen Gründen nicht ausprobieren wollen oder können, wie man sich das Leben leicht macht. 

Der erste Schritt wäre wohl, nicht immer alles in Bezug auf die Kinder als Problem zu sehen. 
Mir ist es generell egal, wie andere das machen. Aber mich angreifen, weil ich das Baby in die Kita bring und dann jammern, wie anstrengend das mit Baby doch ist… Da hab ich einfach kein Verständnis für. 

Auch gestern auf dem Spielplatz wurde ich angeschnauzt. Eine Mutter versuchte ihre Kinder einzupacken und nach Hause zu gehen, weil es ja ein richtiges Abendessen gebe müsse und sie diskutierte auch noch mit ihnen über Blumenkohl oder Möhren. Die Kinder wollten weder heim, noch Gemüse. 
Ich hatte meinen einfach je ein großes Gläschen Obstbrei mit Strohhalm geben, das sie genüsslich aussaugten. Eine Banane hinter und Kekse. Reicht für mich als Abendessen. Und wir können noch etwas länger auf dem Spielplatz bleiben. 
Und da mault mich diese andere Mutter an, dass das ja keine Art sei, seine Kinder mit Gläschen abzufüllen. Ob ich das immer so mache? 
Ja, ich mach das immer so, denn die Kinder essen was halbwegs gesundes, sind satt und glücklich, können weiter spielen und alle sind zufrieden. Und nein, ich mach kein riesen Gedöns ums Kochen und ich provoziere auch kein Geschrei, weil ich jetzt unbedingt Heim muss, um den Kindern Gemüse zu kochen, das sie nicht essen werden.

Ich möchte eigentlich lieber von anderen Müttern in Ruhe gelassen werden, wenn sie ihre eigenen Probleme und ihren Frust an mir auslassen, weil ich eben kein Problem mit Dingen in Bezug auf Kinder hab, die man offensichtlich auf eine ganz bestimmte Weise zu machen hat. Ich mach wie ich will. Wer das nicht macht - hey kein Problem. Ist mir egal. Aber Mütter, die mich dann anmachen, da hab ich echt keine Lust drauf. 

Und diese Maulereien passieren mir zur Zeit echt häufig. Sobald ich ein Gläschen, ein Milchfläschchen auspacke, die Kinder erst etwas später vom Kindergarten abhole etc… Es geht mir so auf die Nerven.

Wer nichts Nettes zu sagen hat, der soll vielleicht lieber mal den Mund ganz halten. Das gilt auch für Mütter.

Mittwoch, 10. August 2016

Über die veganen Lemminge

 Wie ich ein Gespräch mit einer Mutter abbrach, die ihr Kind vegan aufzieht.



Jaja, ich weiß, das ist ein heikles Thema. Es war so: Das Kind ass Saltimbocca. Genauer, es ass wahrscheinlich Sojaschnitzel, umwickelt mit irgendwas wie veganem Speck. Mein Kind wollte das auch und ich fragte die Mutter, wo es das gäbe. Da erklärte sie mir die Welt aus Veganersicht. Oder vielmehr aus Pseudoveganer Sicht.

Nun bin ich ja nicht Veganer, kann also nicht unbedingt voll autentisch über veganes Essen reden. Ich esse manchmal vegan, denn da gibt es leckere Rezepte und generell esse ich viel Gemüse und nicht zwingend Fleisch. Mehr aber auch nicht.

Was mich an diesem Vegantrend so irritiert ist, dass es für mich so eine Art Möchtegern-Veganismus ist.

Ich erkläre das mal:
Würde ich vegan leben wollen, so würde ich mir Gedanken machen müssen über mein Essen. Nicht einfach, wo kommt es her? Wie hat es gelebt? Sondern, was ist da drin? An Nährstoffen? Was braucht mein Körper, um Gesund zu bleiben?
Aber aus rein physiologischen Gründen verzichtet kaum jemand auf Fleisch.

Ein Veganer verzichtet aus humanistischen Gründen, aus Empathie zur Kreatur, nicht einfach wegen seiner eigenen Gesundheit. Veganismus ist keine egozentrische Ausprägung einer Lebensform, sondern rührt aus dem Gegenteil, dem Verzicht auf Kosten anderer zu leben.

Ein veganes Saltimbocca ist darum für mich schlicht Blödsinn. Nein, ich verstehe nicht, weshalb es Wurst-, Käse-, Fleischimmitate gibt. Wer Fleisch essen will, soll das tun, wer auf Fleisch verzichten will, der soll das tun. Fleischimmitat aus dem Supermarkt an der Ecke ist etwas für Möchtegern-Veganer. Verzichten ohne Verzicht. Also eigentlich kein Verzicht, sondern eine Bestärkung der Konsumhaltung, keine Reflexion.

Denn Fleischimmitat macht einen nicht zu einem guten Menschen. Im Gegenteil, Fleischimmitat verwässert den veganen Gedanken aus Respekt keine tierischen Produkte zu verwenden. Bei Fleischimmitat wird der humanistische Gedanke schlicht durch Egozentrik ersetzt. Man macht das für sich, nicht wegen des Tieres.

Es ist schlicht ein Trend, wie bei den Light-Produkten: Schokolade fressen wollen, aber die Kalorien nicht. Kann man machen, wenn man sich der Erkenntnis verschliesst: Schokolade ist Schokolade, aus Milch, Zucker und Kakao. Es ist nunmal so.

Beim Schnitzel ist es genauso. Schnitzel ist nunmal Schnitzel. Und ein Döner ist ein Döner. Ein altes traditionelles Essen, das Fleisch beinhaltet. Es ist ein Stück Kultur. Mir erschliesst sich der Sinn eines veganen Döners nicht. Klar kann man andere Sachen auf ein Fladenbrot tun und das schmeckt super. Aber es ist halt kein Döner.

Wenn ich also entscheide auf etwas zu verzichten, dann liegt für meine Persönlichkeit die Betonung auf dem Verzicht, nicht auf der Sache, auf die ich am Ende verzichte. Ich treffe eine Entscheidung für oder gegen den Verzicht. Und zwar im besten Fall aus wohlüberlegten Gründen.

Fleischimmitat jedoch führt dazu, dass 20% Veganer (die sich aus Respekt gegenüber dem Tier) für den Verzicht entscheiden und auch generell eine respektvoll ausgerichtete Lebensweise haben, dann 80% Möchtegern-Veganer gegenüber stehen, denen die Tiere im Grunde egal sind, weil sie sich eh aus egoistischen Gründen für veganes Essen entscheiden. Diese Menschen setzen sich nicht für eine Verbesserung der Tierhaltung ein, sondern sehen bewusst weg – mit gutem Gewissen.

Diese Menschen machen sich keine Gedanken über ihre Lebensweise, über Humanismus oder eine Verbesserung der Gesellschaft. Diese Menschen wollen schlicht weiter blödsinnig konsumieren ohne sich überhaupt Gedanken zu machen. Es gibt keine Auseinandersetzung, keine Reflexion, man will sich als guter Mensch fühlen, ohne einer sein zu wollen. Total absurd.

Gleichzeitig kämpfen aber Veganer für eine Verbesserung der Welt nach ihren Vorstellungen. Wäre ich Veganer, mich würde dieser blöde Supermarktveganismus aufregen, denn eine Bewegung, die von Möchtegernbewegten unterlaufen ist, verliert an Schwung und Überzeugungskraft. Wenn nur jeder 5. authentisch argumentieren kann, wie soll man denn mit den 80% träger Masse etwas bewegen, neue Anhänger für die Sache gewinnen?
Es ist Verblödungskonsum auf einem neuen, höheren Level. Mehr nicht. Und Wurstimmitat ist noch nichtmal gesünder.


Und da kommt wieder die Mutter ins Spiel, die ihrem Kind veganes Salitmbocca serviert. Ich finde das falsch.

Es ist wie mit der religiösen Erziehung.
Erklärt man es gut, bindet es ins täglische Leben so ein, dass man nach religiösen Regeln authentisch lebt, LEBT man seine Religion, so kann sie Halt und Sicherheit und Gemeinschaft geben und das Leben verbessern – auch das des Kindes.

Konsumiert man Religion, entwickelt das Kind keinen Glauben, der es trägt, sondern lernt nur die Konsumhaltung. Das ist das Gegenteil von Aufklärung und Humanismus und Reflexion und wird zurecht in der Kindererziehung scharf kritisiert. Veganismuskonsum ist aus dem gleichen Grund ebenso scharf zu kritisieren.

Entscheidet sich ein Mensch für eine Lebensweise, hat er seine Gründe. Einem Kind, das zum Konsum, nicht zur Reflexion und Entscheidungsfähigkeit erzogen wird, nimmt man die Wahl. Ich finde das falsch.

Denn es ist eben so. Saltimbocca ist nunmal aus Fleisch. Veganes Saltimbocca gibt es nicht. Das muss man dem Kind sagen. Man kann einem Kind auch ein veganes Gericht kochen, ohne ihm Immitate als etwas Echtes zu verkaufen, denn ein Kind ist auf die Erwachsenen angewiesen, die es auf diesen Unterschied hinweisen. Ein Kind hält zunächst alles in seiner Umgebung für echt.

Abgesehen davon muss man auch immer wieder erwähnen, dass Milliarden Menschen auf dieser Welt vegetarisch und nahezu vegan leben, aus religiösen Gründen, oder weil es eben nicht oft Fleisch gibt – strukturell bedingt. Nur wir im reichen Westen schaffen es, daraus eine Möchtegern-Trend-Lebensweise zu machen.
Das Gute ist aber, wenn Milliarden Menschen seit jeher ohne (viel) tierische Produkte auskommen, so konnten sich unzählige traditionelle Rezepte für jeden Geschmack entwickeln. Vorwiegend mit Gemüse, nicht mit Seitan. Aber um diese kennen zu lernen muss man sich natürlich für andere interessieren, nicht nur für sich selbst.

Schade, dass manche Menschen das verpassen.


Wirklich erschreckend finde ich aber die höchst bedenkliche Entwicklung des Guten-Lebens-Trendes. Es ist tatsächlich ein lähmendes Pseudo-Gutestun, die Kreation eines guten Gewissens durch Wegschauen, was jegliche Entwicklung zu einem Besseren Leben im Keim erstickt. Wer keinen Grund hat, etwas zu Verbessern, der wird nicht auf die Idee kommen für eine Idee oder eine konkrete Sache zu kämpfen.

Freitag, 22. Juli 2016

Wenn Fremde Mütter bestimmen

Ich habe nun schon mehrere Texte im Netz gelesen, in denen Mütter sich rechtfertigen (hier und hier zum Beispiel), weil sie ihre Kinder um acht Uhr ins Bett schicken, ihnen die Mediennutzungszeiten einschränken oder gar um 18 Uhr alle zusammen Abendbrot essen, was der Kühlschrank halt hergibt. Mütter, die nicht gerade dadurch aufgefallen sind bisher, dass sie uninformiert, unreflektiert oder besonders autoritär wären. Dennoch meinen sie sich in aller Öffentlichkeit rechtfertigen zu müssen und bekunden, ihre Kinder doch zu lieben und ihr bestes zu tun, dass es den Kindern so gut wie nur irgend möglich gehe, nur eben nicht 1:1 dem ‚unerzogen’-Weg folgen. Ein Text, den ich besonders 'unschön formuliert' finde, ist auf elternmetamorphose zu finden.

Ich bin darüber sehr traurig.

Ich bin nicht wütend, denn ich sortiere meine Filterbubble sehr gut. Ich mute #unerzogen einfach. Und es gibt ja doch einige Stimmen die sehr eloquent die Art und Weise, wie dieser Diskurs geführt wird, kritisieren und zur Mäßigung aufrufen (hier und hier z.B.). Aber ich bin traurig.

Traurig über die geringe Wertschätzung, die liebende Eltern von anderen liebenden Eltern entgegen gebracht wird.

Traurig, dass mal wieder alles für die Kinder getan werden soll, die Mütter dabei allenfalls die sind, die an irgendwas Schuld haben und noch mehr an sich arbeiten müssen. Die Mütter selbst sind offenbar nie ok so, wie sie sind, die Kinder aber wohl immer.

Traurig, dass Prügelstrafe erstmal ohne Relativierung provokativ gleichgesetzt wird mit ganz normalen Regeln, die im Familienverband gelten.

Traurig, dass gleichwürdig nur die Kinder sind, nicht aber andere Mütter. Denn was anderes bedeutet es, wenn einige wenige ihr Weltbild als das einzig wahre präsentieren und missionarisch andere dominieren wollen? Das stellt sich mir als Machtmissbrauch vom Feinsten dar.

Traurig, weil Toleranz offenbar nur gewollt ist, solange man selbst toleriert wird, nicht aber wenn man andere tolerieren muss.

Traurig, dass vielleicht ganz interessante Gedanken wieder einmal so hinausgebrüllt werden, dass eine Diskussion gar nicht erst stattfinden soll. Differenzierung wird so verunmöglicht und all die Grautöne, die ja real in den Familien gelebt werden, bestenfalls ignoriert.

Traurig, dass Pädagogik nie in einem vernünftigen biologistischen Sinne diskutiert wird, zumindest nicht von Pädagogen.

Traurig, dass man offenbar nicht glaubt, dass Eltern sich anstrengen für ihre Kinder gut zu sorgen. Im Propagieren einer überlegenen Methode steckt ja gleichfalls die Implikation, dass man sich eben nur noch nicht gut genug angestrengt hat, weil man das Optimum noch nicht erreicht hat. Das ist eine wunderbare Methode andere zu demütigen.

Traurig, dass wir unseren Kindern nicht zutrauen glückliche, selbstständig denkende und handelnde Erwachsene zu werden, nur weil wir dies nicht, oder jenes so machen.

Traurig, dass dieses Thema der Fremdbestimmung so absolut diskutiert wird, denn wir alle unterliegen zu jeder Zeit einer Menge struktureller und persönlicher Fremdbestimmung. Ich kann nicht erkennen, was daran per se schlecht sein soll.

Es macht mich auch traurig, dass sich freundliche Menschen nun nen Kopf machen, ob sie ihren Kindern nicht schaden, nur weil eine minikleine Zahl von Müttern durch das Internet ein Forum hat, ihre doch recht radikale Minderheitenmeinung besonders laut herauszuschreien. Zu meiner Zeit sagte man dazu: don’t feed the trolls.

Auch wenn das kein besonders großer Trost ist:
Liebe Mitmütter,
solange ihr euch um eure Kinder sorgt, solange ihr reflektiert und euch in dem euch möglichen Maße um eure Kinder kümmert, solange ihr euren Kindern regelmäßig zeigt und ihnen sagt, dass ihr sie liebt, solange seit ihr hervorragende Mütter!
Traut euch zu, eure Kinder zu genießen, aber vergesst euch nicht! Ihr schadet niemandem, wenn ihr eure Kinder abends ins Bett schickt, um noch eine Stunde für euch selbst zu haben! Ihr schadet niemandem, wenn ihr eure Kinder mit Regeln großzieht, die jedem Familienmitglied das Leben erleichtern! Ihr macht euch selbst und somit der ganzen Familie das Leben schwerer, wenn ihr euch nur Selbstvorwürfe macht, weil ihr meint nicht gut genug zu sein!
Habt Vertrauen in EUCH, meine lieben Mütter! Habt Vertrauen in eure Fähigkeit den Entwicklungsstand eines jeden Familienmitgliedes einzuschätzen und ihm den passenden Rahmen dafür zu bieten. Macht euren Kindern situationsbedingte Grenzen und eure Grenzen klar, denn der eine Gedanke hat immer noch Gewicht: Meine Freiheit endet dort, wo die Freiheit des anderen anfängt.
Dieser Gedanke wurde von mehreren Personen auf unterschiedliche Weise formuliert (am bekanntesten wohl von Kant oder Holmes), auf diesem Gedanken wurden seit der Aufklärung ganze Nationen aufgebaut. Die Grundlage dieses Gedanken ist aber ein klares Zusammenspiel von Freiheit und Regeln, die von allen eingehalten werden müssen. Es geht dabei keineswegs um eine einseitige Unterlassung von Gewalt.

In diesem Sinne, liebe Mütter, lasst euch nicht fremdbestimmen, sondern bestimmt selbst, was für euch und eure Familie richtig und gut ist und wie ihr eure Kinder erziehen wollt!


Und an die Mütter, die ‚nur mal sagen wollten, wie sie es zu Hause (richtig!) machen’, ihre Lebensweise aber als Optimum definieren und/oder andere Lebenswirklichkeiten vorwurfsvoll kritisieren: Respekt funktioniert in beide Richtungen. Probiert es mal aus, man kann sich gegenseitig respektieren, wenn man denn will.




Donnerstag, 14. Juli 2016

Gott gebe, dass es klebe.

So ein Spruch aus meiner Kindheit. Woher, von wem gehört - ich weiss es nicht mehr. Aber er drückt für mich eine klare Botschaft aus:
Es ist nicht alles in unserer Hand.

Gemeint ist natürlich: Gott wird es richten und uns wissen lassen, ob es richtig war, was wir gewollt und getan haben, oder nicht.

Nun arbeite ich ja weder mit einer Vorstellung von Gott, noch mit Begriffen wie Schicksal. Ich denke eher in der Begrifflichkeit des Zufalls, oder wie ich es nenne 'es ist halt so, irgendwas wird schon passieren'. Dennoch bin ich ziemlich schicksalsergeben, man könnte auch sagen, ich akzeptiere halt, was passiert, wenn ich's nicht instantan ändern kann. Verbesserungsstrategien und Lösungen sind für mich eher Mittel zur langfristigen Planung.

Ich denke, ich kann meinen Weg auf lange Sicht verändern, Dinge verbessern etc. Kurzfristige Problemlösung halte ich in 80% der Situationen für sinnlos, denn wenn man etwas abwartet und die Situation mal genau anschaut lösen sich eben 80% der Probleme von selbst, wenn sich alle Beteiligten halbwegs an vereinbarte Regeln halten.

Ich bin schon der Typ 'Verbessern wo's geht', aber eben auch 'abhaken, wo's sich das Eingreifen nicht wirklich lohnt'. Übertragen gesprochen: eher die Ernährung umstellen, als ne 2-Wochen-Diät.

Wie komme ich jetzt darauf? Also, ich versuch's mal zu erklären.

Ich ging in einen Rückbildungskurs und ich muss sagen, ich hab mich direkt nach der ersten Stunde wieder abgemeldet. Ich hab die Mütter nicht ertragen. Nicht, weil die so grässlich waren, sondern weil ich über die Metaebene nachdenken muss und mir die Müttergeschichten die Konzentration rauben.

Neomütter. Noch voll im Rausch der Geburtsverarbeitung. Nicht, dass mich das als alten Hasen nervt, ich gehe 3x die Woche mit einer Mutter aus dem Kurs spazieren (so klischeehaft mit Kinderwagen schieben und Kaffee-to-go). Sie hat einen ähnlichen Geburtsverlauf wie ich bei T1 erlebt und sie ist aber nicht aufdringlich. Ganz wichtig bei mir…

Jedenfalls ich hab ja meine Geburten tatsächlich nun abgehakt und man könnte meinen ich sei durch mit dem Thema. Tatsächlich dachte ich das auch, aber ich komm nicht von der Frage der selbstbestimmten Geburt los.

Ich würde ja sagen, meine Geburten waren alle so selbstbestimmt, wie es nur ging, aber auch das Gegenteil trifft zu. Ich konnte nullkommagarnichts bestimmen. Und darüber möchte ich eigentlich schreiben.

Die Fragen dazu, die mich umtreiben:
Warum haben Frauen Angst vor der Geburt?
Warum erleben Frauen Geburten als Eingriff von außen?
Warum traumatisieren Geburten einige der Frauen?

Die pauschalen Antworten sind natürlich einfach: Angst vor Schmerzen, Angst vor Geburtsschäden/Fehlern, Überforderung in Bezug auf die Verantwortung.

Und nun hole ich etwas weiter aus.

Gottergebenheit ist und war unter uns Menschen nur bei den wirklich gläubigen jemals Trend. Der Rest begnügte sich mit dem Schicksal - irgendwer wird irgendwas schon richten, ob's jetzt Gott ist oder sonstwer. Heute ist man ja eher selbst verantwortlich für sein Schicksal (im besten Falle) oder man macht gleich alles Mögliche direkt von der eigenen Person abhängig. Am liebsten Dinge, die man haben möchte und gut kann. Schuld und Verantwortung sind immer blöd, wenn man eben selbst Schuld ist, darum macht man die lieber am Mitmensch fest. Ja und das Selbstoptimieren ist ja ganz groß zur Zeit. Ey, wenn du krank wirst, dick bist, blöd oder ungebildet, einsam oder süchtig - klarer Fall: biste selbst Schuld! Hättet ja bloss alles besser machen müssen! Musste dich halt auch mal anstrengen!

Ein beschissenes Argument, möchte ich mal sagen, dass auf den ersten Blick von der modernen Genetik auch noch untermauert wird. Ich hasse es. Denn klar, mit noch MEHR kann man IMMER BESSER! Nur, dass das eigentlich gar nicht stimmt, denn immer noch optimaler untergräbt unser Selbstbewusstsein, unser Ego und auch unsere Menschlichkeit und Solidarität. Viel diskutiertes Problem in Bezug auf Krankenkassenleistungen. Aber auch in Bezug auf Schwangere und Mütter.

Ja wir tragen Verantwortung. Für uns selbst, für die Mitmenschen und auch für unsere Babys. Und 'optimal' wird leider nur in Bezug auf das Kind, nicht auf die Mutter verwendet. Wen interessiert denn schon die Gebärmaschine? Das Kind ist die Zukunft, nicht die Mutter.

Diese Herabwürdigung ist ein großes Problem, finde ich. Die Wertigkeit der Mutter wird verändert und das ist ein gesellschaftliches Problem. Es geht fortan nicht mehr darum, auch mal etwas zu akzeptieren, oder mit vorhandenen Ressourcen zu arbeiten, sondern wenn was nicht perfekt ist, so hat die Mutter Schuld. Die hat ja die Verantwortung. Den Bogen zu Überforderung und Ängsten muss ich da gar nicht erst mehr spannen.

Bei Vielen setzt erst Schockstarre ein und dann geflissentliches Befolgen irgendwelcher Regeln in Ratgebern oder von medial präsenten Pädagogen. Natürlich wird in diesen Foren stets betont, eine Mutter wisse schließlich am besten, wie ihr Kind sei und was zu machen sei. Äh ja genau. Aber sie das machen lassen, was sie will, das lässt man sie eben dann doch nicht, weil wenn sie dann doch etwas nicht gut macht, dann ist die Persönlichkeit und Vertrauen und die kindliche Psyche generell versaut. Das arme Kind!

Man predigt also Selbstbestimmung unter kontrollierten Bedingungen. 

Ich. mag. das. nicht!

Mittwoch, 29. Juni 2016

Die Abwiegelstrategie, oder wie mich das Leben zurecht gestutzt hat

Ich hole die Kinder vom Kindergarten ab und freu mich schon. Ich bin recht gut drauf. Da kommt doch die Kindergärtnerin meines Vertrauens, die meine Kids von Beginn an in diesem Kiga begleitet und sagt: 'Wissen Sie, Sie sind ja die geborene Mama. Ich find das so schön Ihren Kindern zuzuschauen, die sind richtig glücklich und ganz tolle Kinder.'

Bäm.

Und ich antworte: 'Ja, die machen es einem ja auch total einfach. Die schlafen super und hören gut und zu Hause bin ich aber auch strenger, als es hier den Anschein haben mag. Da muss ich ja die Kinder irgendwie unter einen Hut bekommen.'

Wir unterhielten uns dann noch ein bisschen. 

Abends im Bett kamen mir dann auf einmal die Tränen. Ich fing an darüber nachzudenken, wann ich so… so kaputt gegangen bin? Da wollte mir die Frau nur ein wirklich nettes spontanes Kompliment machen und ich Depp komm nicht auf die Idee mich einfach zu bedanken oder das anzunehmen. Nein, ich schieb alles auf die Kinder und die Umstände und überhaupt. Als ob ich sonst schon genug Komplimente und Anerkennung für mein Tagwerk bekäme! 

Und da ging mir auf, wie bescheuert ich reagiert habe. Dass es mir schon fast peinlich ist, wenn man meine Kinder für toll befindet. Und im Übrigen bekomm ich oft von Wildfremden Komplimente in der Strassenbahn oder im Restaurant oder im Supermarkt. Weil meine Kinder meist friedlich sind, Geschichten erzählen, ruhig spielen, mithelfen oder ihre Schokolade freiwillig teilen und bei uns Damen meist gute Stimmung herrscht.

Aber keines dieser Komplimente berührt mich. Ich nehme das voll nicht persönlich. 

Warum eigentlich nicht?

Zum Einen wohl, weil ich tatsächlich glaube, dass meine Kinder einfach schon so super auf die Welt kommen. Keine Ahnung, woher ich das habe, aber ich hab immer das Gefühl, je mehr ich mich raushalte und sie in Ruhe lasse, desto besser für alle. Es ist also nicht mein Verdienst und so beziehe ich auch Komplimente nicht auf mich oder meine Leistung als Mutter.

Zum Anderen ist mir mein Ego abhanden gekommen. Gar nicht so sehr durch die Fremdbestimmung der Babyjahre, sondern eher durch das permanente Runterbügeln meiner Person seit ich Kinder habe. Das fing bei T1 an und heute braucht man mich schon gar nimmer angreifen. Ich trau mich ja so schon nimmer zu sagen, dass ich grad mit Baby daheim sitze und den lieben langen Tag nix anderes mach als Waschen und Wickeln. In meinen eigenen Augen ist mir der Wert dafür schon ganz abhanden gekommen, so sehr hab ich mir die Herabwürdigungen zu Herzen genommen. 

Privat hab ich mir zwar auch einiges anhören müssen, aber vor allem beruflich hab ich in den letzten 5 Jahren nur Prügel bezogen. Dabei hab ich arbeitstechnisch kaum Fehler gemacht. Es lief nur so: Mach ich alles richtig, bekomm ich kein Lob mehr sondern erfüll ja lediglich die Erwartungen. Schulterklopfen und Karriere sind eh unnötig, wegen der Kinder. Aus der Schiene bin ich ja nun eh raus - hab ich ja selber so gewollt… Sobald ich aber auch etwas nur ansatzweise nicht perfekt gemacht habe gab's richtig eine auf die Nuss. Weil, war ja klar, dass ich das alles nicht gebacken krieg.

Und so lag ich da nachts, und fragte mich, warum ich um alles in der Welt dieses nette Kompliment nicht annehmen kann. 

Mir war nicht bewusst, dass es bereits so schlimm ist. Und ich denke auch immer, es ist ja eigentlich gar nicht schlimm. Ich führe ein in höchstem Maße, auch für deutsche Verhältnisse, privilegiertes Leben. Warum also sollte ich mich beschweren.

Und dann weiß ich wieder, warum. Weil ich nämlich die einzige in meinem Umfeld bin, die kein Ego mehr hat. Dieses 'Selbstwirksamkeitsgerede' und dieses 'Selbstbestimmung' sind mir inzwischen völlig fremd. Ich frage mich sogar, ob es verantwortlich ist, den Kinder zuerst groß die Selbstbestimmung näher zu bringen, um dann in ein paar Jahren zusehen zu müssen, wie sie untergebuttert werden. In so vielerlei Hinsicht ist diese viel besungene Selbstbestimmung nämlich blanker Hohn und eine Illusion. Die wenigsten Menschen können namhafte Teile ihres Lebens selbst bestimmen. In Wirklichkeit interessiert sich niemand für die Meinung einer einzelnen Durchschnittsmama. Vielleicht gibt es darum so viele Mamablogs, damit man doch auch mal ein Forum findet seine Meinung kund zu tun. Weil halt sonst keiner zuhört…

Jedenfalls muss ich zugeben, komm ich mir noch wertloser vor, seit ich darüber nachdenke, warum meine Arbeit in meinen eigenen Augen so wenig Wert besitzt. Und das zeigt mir ganz klar: ich bin jetzt wirklich lange genug zuhause rumgesessen beim Waschen und Wickeln. Nach dem Baby muss ich mir definitiv eine Aufgabe suchen, die mich mehr fordert, damit ich zumindest für mich selbst wieder eine Herausforderung habe, ob jetzt beruflich oder als Hobby. Aber Baby und Haushalt ist offensichtlich nicht mehr spannend genug für mich. 

Und all das zeigt mir auch, wie sehr ich kognitive Herausforderungen brauche, denn KLAR BIN ICH EINE SUPER MAMA! Alles was ich mache, mache ich mit viel Liebe und Aufmerksamkeit und sehr gut. Das ist nix Neues für mich. Nur die depperten Chefs und Kollegen, die ich bisher hatte, die meinten das übersehen zu müssen, weil ich ja Kinder habe. Idioten. Allesamt.

Montag, 27. Juni 2016

Von der Unmöglichkeit gewaltfreier Kommunikation

Wir wünschen uns das alle, gewaltfreie Kommunikation. Im Büro, im Strassenverkehr und vor allem zu Hause. Ein frommer Wunsch, wie ich finde, denn in meinem Leben gibt es nicht viel respektvolle Kommunikation. Gab es nie und so mancher wird sagen, darum gibt es sie auch in der Gegenwart und Zukunft nur spärlich. Aber das stimmt nicht.

Ich bemühe mich unaufhaltsam meine Kommunikation zu verbessern. Allein, es scheint niemand darauf zu reagieren. 

Im Beruf habe ich die Erfahrung gemacht, dass mich alle für den gutmütigen Deppen halten, wenn ich nicht eine gewisse Schärfe an den Tag lege. 

Zu Hause scheitere ich oft an der Reaktion der Kinder, vornehmlich bei T1. Sie macht schlicht wirklich was sie will, wenn ich nicht zumindest sehr deutlich werde. Und nein, das geht schlicht und einfach nicht. Sie darf nicht ihre Schwester mit Holzspielzeug hauen, sie darf nicht non-stop Filme schauen oder Handy spielen, sie muss essen, was es eben zu Essen gibt und darf nicht von Schokolade leben, sie muss abends ins Bett und darf nicht prinzipiell aufbleiben bis wir Eltern ins Bett gehen, sie muss ihre Jacke aufhängen und Händewaschen und vieles mehr. Sie darf viel entscheiden, aber sie hört auch viele Ermahnungen und Verbote.

Das ist soweit normal und auch ok. Allerdings gelingt es mir nicht, sie freiwillig davon zu überzeugen, das Handy wegzulegen oder eine Banane statt Gummibärchen zu essen. Ich muss das durchsetzen. Also lasse ich die Kinder den Speiseplan erstellen und wir achten darauf, dass es nicht zu ungesund wird. Wenn ich dann aber Spaghetti Bolo gekocht habe und sie beschließt, nach 3 Bissen den offensichtlich verdienten Nachtisch zu wollen, dann wird es heikel. Denn dann gibt es kein Argument, dass sie davon überzeugt, sich erst am eigentlichen Essen satt zu essen. 

Meine innere Stimme sagt dann 'Das kommt schon davon, wenn man die Kinder frei essen lassen will, wie sie es bestimmen.' Dieser inneren Stimme folge ich dann nicht. Ich will es ja richtig machen. Allerdings bin ich auch nicht bereit einer fast 5jährigen dann nachts die verlangten Kakaofläschchen zu machen. Also suche ich den Kompromiss. 

Zur Zeit stehen leider Kompromisse von der Mama nicht hoch im Kurs bei T1. Und ich bin wie schon erwähnt etwas dünnhäutig. Was also tun?
Es läuft in etwa so ab:
- Iss bitte noch so viel, dass du heute nacht nicht hunger bekommst und weinen musst. 
- Nein. Ich will Pudding.
- Pudding gibt es aber erst zum Nachtisch, wenn man sich satt gegessen hat.
- Ich will aber meinen Pudding du blöde Mama!
- Du bekommst deinen Pudding, wenn du noch 10 Löffel isst.
T1 isst 2 Löffel.
- Ich will jetzt meinen Pudding!
- Das waren erst 2 Löffel. Du hast höchstens 4 Löffel insgesamt gegessen. Ich hatte gesagt nach 10 Löffeln bekommst du den Pudding.
- Nein! Ich will das nicht. Das schmeckt mir nicht!
- Du hattest dir Spaghetti ausgesucht.
- Ich will etwas anderes! Ich will Waffeln!
- Ich hab jetzt keine Waffeln. Es gibt Spaghetti. Du kannst auch ein Brot haben.
- Nein! Ich will das nicht! Ich bin selber groß und kann bestimmen! Nie darf ich was bestimmen! Ich will Pudding.
- Nachtisch gibt es aber erst, wenn wir mit essen fertig sind und uns satt gegessen haben.
T1 steht auf, kommt zu mir und haut mich auf den Arm.
- Hör sofort auf mich zu hauen! Ich will das nicht.
- Du gemeine Mama!
T1 haut mich nochmal.

An dieser Stelle bin ich regelmäßig hilflos und hier endet auch der Versuch ruhig und gewaltfrei zu bleiben.
Es folgt ein klares Nein von meiner Seite, ich schicke sie aufs Sofa bis sie sich beruhigt hat oder versuche sonstwie zu deeskalieren. Es geht nicht. Sie fängt an zu heulen und weiterhin zu hauen. 

Diese Tage, an denen sie komplett austickt sind anstrengend für mich. Ich schreie, wenn es mir zu viel wird. Ich versuche auch regelmäßig dem Kind klar zu machen, dass ich sie verstehe und dass jetzt aber meine persönliche Grenze erreicht ist. Das scheint sie aber nicht verstehen zu wollen oder zu können. 

Generell können meine Kinder meine Grenzen nicht respektieren, auch wenn ich mehrmals deutlich klar stelle, dass ich nicht mehr weiter kann. Sie können nicht reagieren und das macht es mir sehr sehr schwer. Denn ich als Mutter muss nicht alles schlucken, was meine Kinder mir auftischen. 

Ich will nicht gehauen werden, oder getreten. ich will nicht, dass man mit Essen nach mir wirft etc. Nur, wenn ich das klar so sage, veranlasst dies meine Kinder nicht, damit aufzuhören. Das mag auch soweit normal sein, aber wie reagiere ich dann? Ich kann STOP sagen, sogar schreien, aber das hilft wenig. Ich kann den Raum verlassen, dann fängt mindestens eine Tochter an zu weinen, also muss ich wieder zurück und Trösten. Das verlangt mir wirklich viel ab. Ich kann Drohen und Verbote aussprechen, was ich manchmal auch tue, aber natürlich ist das keine Lösung und macht auch nix besser. Jedoch steigt in solchen Situationen mein Bedürfnis eine Strafe auszusprechen rasant. Ich möchte dann eigentlich nur noch, dass endlich Ruhe ist, kein Geplärre mehr, kein Hauen. 

Wenn T1 einmal hochdreht, dann schreit sie oftmals eine ganze Stunde lang und kann sich kaum beruhigen, denn dann ist jedes Geräusch, jede Bewegung der Schwester Anlass genug umso lauter zu heulen. Es ist richtiges Plärren, das einen irgendwann wahnsinnig macht. 

Ähnlich ist es beim Schlafen gehen. Selbst entscheiden lassen, wann sie sich fertig macht und schlafen geht kann ich nicht. Freiwillig zieht sie sich noch nicht einmal aus und ich kann mich nicht ausschließlich um sie kümmern, denn ich muss T2 fertig umziehen und hab ein Baby auf dem Arm. Also beginnen wir mit ständigem Wiederholen der Bitte sich nun auszuziehen. Ich kann dann drohen oder mit Belohnungen locken. Beides gleich weit weg von dem, was ich mir wünsche. Ich kann dann irgendwann schreien. Es nutzt nix.

Solche Tage sind nicht die Regel, aber seit T3 gibt es sie gehäuft. Bei allem Verständnis, ich habe gerade nur selten den Nerv dazu. Allzu oft bin ich abends total erledigt von den andauernden Kämpfen. Es ist das Alter, es ist die Umstellung mit Baby - ich weiß. Und doch ändert es nichts daran, dass ich oft nicht weiter weiß. Wenn T1 eskaliert kann ich sie nicht aufhalten. Und ich kann es nicht unbegrenzt aushalten. Sie muss lernen, dass ich mit STOP auch STOP meine. Gewaltfreie Kommunikation hat mich diesem Ziel jedoch kein Stück näher gebracht. 

Ich sage nur 'Es reicht!' wenn es mir tatsächlich reicht. Zur Zeit jedoch interessiert sich T1 nicht für das, was ich sage. T2 sagt wenigstens noch nein, wenn ihr was nicht passt. T1 ignoriert mein Gerede. Zu gern würde ich sie auch mal ignorieren. Mach ich natürlich nicht. Wenn ich aber nach einem Streit sage, dass ich kurz meine Ruhe bräuchte, dann wird auch diese Bitte ignoriert. Das macht wiederum mich aggressiv, denn ich brauche manchmal eine kurze Pause und T1 wird jetzt 5 Jahre alt. Sie weiß, was eine Pause ist. Sie selbst fordert sie oft für sich ein. 

Und so versuche ich möglichst ruhig zu bleiben, geduldig, liebevoll und gerecht. Aber wenn mir jemand gewaltfreie Kommunikation predigt, dann kann ich nur mit dem Kopf schütteln. In meiner Familie gibt es sowas nicht. Egal wie sehr ich mich bemühe und welche Formulierungen ich benutze. Abgesehen davon ist mir auch noch nie jemand begegnet, der etwas von mir wollte und mich völlig gewaltfrei behandelt hätte. Und schon gar nicht unter Erwachsenen…




PS: Ich möchte hier ausdrücklich nicht die 'unerzogen-Fraktion' auf den Plan rufen. Ich habe mich damit etwas beschäftigt und möchte meine Kinder so nicht erziehen. Danke.

Montag, 6. Juni 2016

Eins, zwei, drei, vier… viele!

'Ja und macht ihr jetzt weiter, bis ein Junge kommt?'

Diesen Satz höre ich ständig. Darüber kann man sich jetzt aufregen, oder man kann einfach akzeptieren, dass sich mein Gegenüber gar nicht wirklich für die Antwort interessiert, sondern in seinen eigenen Sphären schwebt und da auch nicht rauskommen mag - wieso auch immer. Ich persönlich schließe daraus einfach nur, dass mein Gegenüber eine Niete im Smalltalk ist. Also was soll's. Und so antworte ich: 'Nein, drei ist eine gute Zahl.'

Traurig macht es mich dennoch, denn ich würde gerne irgendjemandem erzählen, warum es nicht zu weiteren Kindern kommen wird. Es gibt nämlich handfeste Gründe dafür.

An den Babys selbst liegt es nicht. Meine Kinder waren bisher sehr elternfreundlich und problemlos, also muss ich zugeben, von der Sorte würde ich durchaus noch ein paar nehmen.

Unsere Familie fühlt sich auch keineswegs so komplett an, dass weitere Kinder nicht in Frage kämen. Wir wollten immer viele Kinder. Bei 5-6 würde ich in jedem Fall aufhören wollen, aber an sich ist so ein ganzer Bus voll Kinder nichts schlechtes.

Die Arbeit - das ist natürlich so eine Sache. So viele Kinder muss man sich ja leisten können und dafür muss man arbeiten und.. ach ihr wisst schon… Viele Kinder und arbeiten, einfacher wird's dadurch auch nicht. Aber auch das würde mich nicht ernsthaft vom Kinderkriegen abhalten.

Es gibt genau 2 Gründe, die mir diese Entscheidung, keine Kinder mehr zu bekommen, nahelegen.

Zum Einen ist da die Schwangerschaft. Die letzte war zum abgewöhnen und ich fürchte fast, eine weitere würde mir die letzte Kraft rauben. Ich kann und will das nicht noch einmal und es steht ja doch zu befürchten, dass es mit meinem Körper nur noch heftiger und nicht einfacher würde. Irgendwo ist die Grenze nunmal erreicht und die muss man dann auch akzeptieren.

Zum Anderen ist da mein Gefühl. Ich habe das sehr starke Gefühl, dass es ein viertes Mal nicht gut gehen würde. Das war bei den vorherigen Schwangerschaften ganz anders. Ich hatte so eine innere Gewissheit, alles würde gut, das Kind sei gesund, alles super. Aber schon vor der 2. Schwangerschaft kam bei mir der Gedanke auf, bis Nr.3 sei alles ok und dann gäbe es Probleme. 
Fragt mich nicht, was sich mein Gehirn da zusammen spinnt. es ist eben so. Ich bin überzeugt, ein viertes Kind wäre eine Katastrophe. Und ich rede hier nicht über Trisomie 21 Risiken aufgrund meines Alters. Ich denke dabei spontan an sehr viel schwerere Behinderungen und Beerdigung. 

Irgendwas sagt mir, ich sollte ab jetzt die Finger vom Kinderkriegen lassen und mich mit dem Kinderhaben begnügen. 
Also ich bin gar kein esoterischer Mensch und ich weiß, dass das ja irgdwo auch Hirngespinste sind, aber ich hätte keine ruhige Minute bei einer erneuten Schwangerschaft. Es ist einfach in meinem Kopf drin. Eine Art Vorahnung. Gerade bei mir… tzzzzzz.

All das war bisher kein Thema, weil ich ja erst jetzt an den Punkt komme, wo diese Gedanken relevant werden. Nicht, dass ich etwas geplant hätte, aber ich habe ja nun drei gesunde Töchter. Und ein weiteres Kind ist nicht erst Thema, wenn es an die konkrete Umsetzung geht. Es ist für mich ein Thema, weil ich merke, dass ich ziemlich trauere und sehr oft denke 'du machst das hier zum letzten Mal'… 

Das letzte Mal ein ganz kleines Baby. Das letzte Mal die ganz kleinen Babysachen anziehen. Das letzte Mal all die ersten Male. Kein weiteres Baby im Babybettchen, im Babysitz, in der Babywanne… 

Das tut mir weh. An manchen Tagen mehr, an manchen Tagen weniger.

Der Trüffel ist dabei keine Hilfe, denn er nennt meine Ängste tatsächlich Hirngespinste. Aber er muss die Kinder ja auch nicht kriegen. Nur die Schwangerschaftskomplikationen lässt er als Argument gelten, weil es diesmal schon so schwierig war. Und auch, weil er sich tatsächlich einen Jungen wünschen würde. Warum kann er allerdings nicht sagen.

Ich wünsche mir weiterhin keinen Jungen. Aber das kann ich anderen ja nicht sagen, dass ich lieber Töchter habe als Söhne. Darf man ja heut nicht. Nicht wegen der Söhne, sondern wegen der anderen Mütter, die Söhne haben. Dass mir die Identifikation mit Töchtern leichter fällt und ich mich einfach nicht mit Sohn sehe ist aber nur ein Scheinproblem. Schließlich habe ich ja nur Töchter.

Ich habe jetzt die nächste Windelgröße gekauft. Noch ein letztes Mal. Ich räume die nächste Kleidergröße ein. Am liebsten würde ich das Zeug direkt verkaufen, damit ich es nicht mehr um mich haben muss. Selbst ein Karton im Keller ist mir zu viel. Aber der Trüffel will nicht. Er will das Kinderkriegen noch nicht aufgeben und sich schon gar nicht damit auseinander setzen, nur noch letzte erste Male zu haben. 

Aber der muss die Kinder ja auch nicht kriegen.

Hoffentlich kriegt er mich nicht doch noch rum, es noch einmal zu versuchen.