Freitag, 13. Januar 2017

Das Geschlecht denken

Da gibt es nun diesen Blogpost von der Rabenmutti, in dem sie ihre Enttäuschung darüber beschreibt, dass das zweite Kind, ein Wunschkind, kein Mädchen ist. Der Shitstorm, der darauf über die Bloggerin hinwegfegte ist noch nicht am Ende und ich muss sagen, spiegelt vor allem die selbstgerechte Art der heutigen Eltern wider, die immer und überall die Kinder und deren Gefühle und Entwicklung in den Vordergrund stellen.
Ich kann das schon nicht mehr hören und finde diese Einstellung auch falsch. Mal ernsthaft, Kinder sind psychisch nicht gar so zerbrechlich, wie gerne behauptet wird und sie können auch eine gewisse Resilienz entwickeln – müssen das sogar – sonst wären wir schon längst als Menschen ausgestorben. Und sich medial empörende Muttis find ich einfach nur scheiße.

Jetzt kennt der langjährige Leser aber meine Einstellung zum eigentlichen Thema, dem Geschlechterproblem beim Kind.

Ich kann der Rabenmutti zustimmen. Hätte ich einen Jungen bekommen, so hätte ich sicherlich auch aus Enttäuschung geflucht und geweint. Ich wollte und will keinen Sohn.

Nun ist das Geschlecht der eigenen Kinder für die meisten von uns, jedoch für immer weniger Paare, kein Wunschkonzert. Und sich eine Tochter zu wünschen ist definitiv kein Angriff auf Jungseltern. Vielmehr hat dieser sehr persönliche Wunsch leider garüberhauptnix mit anderen Eltern und deren Kindern zu tun. Dass die sich angesprochen fühlen, sagt lediglich etwas darüber aus, wie wenig diese abstrahieren und differenzieren können.

Um es noch deutlicher zu sagen: Mir ist scheißegal, welches Geschlecht dein Kind hat. Mir ist jedoch nicht egal, welches Geschlecht mein Kind hat!

Andere Mütter sollten so langsam lernen, dass Mamablogger in kleinen Blogs vorwiegend für sich selbst, nicht für andere schreiben. Es gilt klar der Satz: Wenn es dir nicht gefällt, dann lies es halt nicht!
Diese mediale Aufschrei- und Kränkungsmentalität suggeriert offensichtlich, dass sich irgendjemand für die Einzelmeinungen tausender anderer Interessiert. Dem ist nicht so.

Zurück zum Thema, nachdem ich mich über dieses Befindlichkeitsgedönse aufgeregt habe.

Wie schon öfter erwähnt, sehe ich mich bis heute nicht mit einem Jungen auf dem Arm. Nicht weil Jungs blöd sind, sondern weil ich es nicht sehe. Jungs sind mir fremd, Mädchen sind mir nah. Ich kann mich mit kleinen Mädchen identifizieren weil ich selbst eines war. Zwar sind meine Töchter charakterlich von mir verschieden, aber doch ist mir die Identifikation mit einem Mädchen leichter.

Und nicht nur mir geht es so, sondern auch meinen Töchtern. Ich würde die Hypothese wagen, dass diese extrem enge Verbundenheit und Identifikation die meine Töchter untereinander haben auch ihrem Geschlecht geschuldet sind. Sie tragen in ähnlichem Alter die selbe Kleidung, sie sehen sich verdammt ähnlich, vor allem die Kleinen haben in T1 eine unglaublich starke Identifikationsfigur. T2 ist sehr viel enger mit K1 verbunden, als mit jedem andern Kind, mit dem sie sonst spielt. Es gibt relativ wenig Streit, und im Moment auch kaum Versuche sich abzugrenzen. Und T3 entwickelt sichtbar die gleiche Tendenz. Sie hasst es ohne ihre großen Schwestern zu sein.

Nun ist das natürlich nicht prinzipiell bei Schwestern so und eine enge Verbundenheit besteht zweifellos auch zwischen Bruder und Schwester. Dennoch könnte ich mir gut vorstellen, dass dieser Verbund anders aufgestellt wäre, wenn es keine drei Mädchen wären. Möglich auch, dass sich drei Mädchen untereinander nur mäßig gut verstehen. Das ist und bleibt ja ein Gedankenexperiment.

Der eigentlich krasse und heftige Diskussionspunkt in der Geschlechterdiskussion ist nicht, ob diese Mutter auch einen Sohn lieben kann. Ein viel grundlegenderer Punkt ist für mich die Frage, kann es ein Problem sein, wenn aus dem Sohn ein Mann würde, der Dinge tut, die man selbst als Frau grundlegend ablehnt?

Für mich persönlich ist das ein Argument. Meine persönliche Erfahrung sagt mir, dass ich mit mindestens 85% der Männer negative Erfahrungen gemacht habe. Als Lehrer, mit stark sexistischen Tendenzen. Als gewalttätige oder bloß bedarfsorientiert empathische Partner, eine ganz gemeine Sache. Als machthungrigen, opportunistischen Chef, eine grundlegend änderungsbedürftige Sache. Als Bekannter/Freund/Kollege sehr oft mit sexistischen und/oder abwertenden Begegnungen. Und nun, da ich Mutter bin sehr krass z.B. als Konkurrenten am Arbeitsmarkt.

Das alles verleitet mich nicht direkt zu behaupten Jungs seinen schlecht. Sehr wohl gedenke ich, meinen Töchtern klar feministische Werte und Verhaltensweisen vorzuleben und sie ebenso darauf vorzubereiten, dass sie aufgrund ihres Geschlechtes Gewalt und Diskriminierung erleben werden. Ich werde diese Erfahrungen nämlich nicht verhindern können, jedoch kann ich dann vielleicht Ansprechpartner sein, oder mit ihnen Strategien entwickeln sich zu wehren.

Und genau an diesem Punkt darf sich jetzt jede Jungsmama angegriffen fühlen. Denn wenn eine meiner Töchter in 10 Jahren mit ihrem ersten Freund heim kommt, so werde ich ihr klar vermitteln: Sag nein, wenn du etwas nicht willst und hau ihm direkt auf die Nase, wenn er es trotzdem tut! Auch, wenn er dir unbeabsichtigt weh tut.

Ich weiß wohl, dass es bei Teenies zu Situationen kommt, die keiner will, einfach weil keiner weiß, was er tut. Und wegen der Hormone. Aber auch, weil einer von beiden unsensibler und weniger empathisch dem anderen gegenüber ist. Und da sind die Eltern gefragt.

Nun versuchen wir natürlich alle möglichst wenig falsch zu machen und unsere Kinder achtsam und empathisch gedeihen zu lassen (oder auch nicht), aber die Wahrscheinlichkeit ist doch gegeben, dass meine Tochter an nen Typen oder Chef oder Kollegen gerät, dessen Eltern da nicht besonders erfolgreich waren und dessen Charakter das nicht aus sich selbst gebiert.

Wenn ihr mich persönlich als Mutter dreier Töchter fragt: Ja, eure Söhne könnten eine potentielle Bedrohung für meine Mädels sein.

Diese Überlegungen entfremden mich tatsächlich noch sehr viel mehr dem Gedanken an einen Sohn. Und zu Beginn sind die ja auch so niedlich und harmlos. Die Mütter der Söhne, mit denen ich heute kämpfen muss, haben diese abgöttisch geliebt, wollten alles richtig machen und doch sind dann daraus Männer geworden, die in bestimmten Situationen Frauen nicht genug respektieren.

Ich sag mal so: Das ist ein echtes Problem.

Und wenn jetzt Jungsmütter mir Tod und Teufel an den Hals wünschen, so kann ich das verstehen. Berechtigt. Ihr wollt alle nicht, dass Eure Söhne irgendwem Schaden zufügen.

Aber aus Euren kleinen Babybuben werden mal ausgewachsene Männer, die eigenverantwortlich handeln. Vielleicht nicht in Eurem Sinne.

Das gilt für meine Töchter genauso. Die werden sicherlich Dinge tun, die ich verurteilen werden. Allerdings wird dabei vielleicht etwas weniger offene Gewalt oder bewusster Machtmissbrauch eine Rolle spielen.


Ich möchte zudem noch eine Geschichte erzählen, von mir und meinem ersten Freund. Ich war schwer verliebt. Er war aus sehr gutem Hause. Die Mutter die totale Attachment Parenting Mutter (aus meiner heutigen Beurteilung), er hatte Geschwister, ein sicheres geborgenes Elternhaus, finanzielle Sicherheit, Harmonie und Empathie allendhalben. Er war der absolute Prototyp eines Sohnes.
Und dann kam ich. Und ich löste etwas in ihm aus. Eine gewisse Triebsteuerung übernahm, der Verstand verschwand, die Vernunft wurde verdrängt von der Hormonflut. Und der Sohn, der mit gleichberechtigten Eltern aufwuchs stellte seine Lust über mein Nein. Nicht böswillig, aber doch weil er zum ersten Mal den geschützten achtsamen Raum seiner Mutter verließ und keinen eigenen aufbauen konnte oder wollte. Er war zu sehr getragen davon, dass alles richtig lief und er richtig war, dass er übersah, dass es nun an ihm war selbst respektvoll zu sein. Aus sich selbst heraus andere zu achten.
Wir trennten uns und die Mutter fragte mich, weshalb ich so wütend dabei bin und so abweisend und sie fragte mich, ob ihr Sohn etwas getan hätte, das falsch gewesen sei. Ich erinnere mich genau an die bitterlichen Tränen dieser Frau, als ich nicht antwortete, sondern nur zu Boden starrte.

All meine Erfahrungen führen zu meiner Aussage, ich bin froh nur Töchter zu haben. Ich weiß nicht, wie es ist einen Sohn groß zu ziehen. Ich will es nicht wissen. Ich lebe gut ohne diese Erfahrung. Ich musste mich nie mit einem Sohn auseinander setzen. Ja. Es ist so. Ich vermisse es aber nicht.

Eben weil es meist noch Zufall ist, ist das Thema so heikel. Ist es irgendwann flächendeckend kein Zufall mehr, wird ein anderes Problem wieder gegenwärtig werden. Immerhin sind heute immer noch Mädchen von Abtreibung und Kindstötung bedroht, einfach aufgrund der Wertigkeitsunterschiede von Mann und Frau. Und niemand soll glauben, dass dieses Problem eines außerhalb Mittel- und Nordeuropas ist. Mann und Frau sind keineswegs gleichgestellt, genauso wenig wie es Töchter und Söhne sind, sofern man nicht mit staatlichen Mitteln gezielt Gleichstellung herstellt. In der Natur des aufgeklärten Menschen liegt weder Gleichstellung, noch Gleichwertigkeit. Nicht weil Eltern ihre Söhne mehr lieben als ihre Töchter, sondern weil es Gleichstellung ein gesellschaftliches Konstrukt ist, das wir bewusst als Maßstab setzen. Oder auch nicht.

Eine Mutter mit einem Sohn und einer Tochter liebt beide. Das stellt niemand in Frage. Nur ob sie beide gleich behandelt, ob sie beide gleich behandeln sollte – das ist eine ganz andere Frage.


Ich möchte euch weder eure Söhne, noch die Liebe zu ihnen, absprechen. Ich bin lediglich glücklich mit meinen drei Töchtern und wünsche mir keinen Sohn. Der Trüffel tut das jedoch. Er hätte gern einen Sohn. Denn der wäre ihm wahrscheinlich näher, es fiele ihm wahrscheinlich leichter sich mit ihm zu identifizieren. Kann ich verstehen. Es tut mir leid für ihn. Er wird sich mit seinen Töchtern arrangieren müssen.

Mittwoch, 11. Januar 2017

Ein guter Mensch

 Als ich mit T1 schwanger war besuchte ich eine Veranstaltung, eine Diskussionsrunde, der Uni Basel über die Vereinbarkeit von Familie du Beruf. An diesem Abend erzählten fünf Professoren von ihren Erfahrungen.
Ich muss gestehen, fast alle faselten erkennbar wirren und gehaltlosen Quatsch. Einzig eine Juraprofessorin mit Kleinkind gab vernünftige, nachvollziehbare Antworten.

Es wurde an diesem Abend vom Moderator eine sehr schöne, sehr gute und wichtige Frage gestellt:

Hat Sie das Kinderkriegen und –haben zu einem besseren Menschen gemacht?

Unnötig zu erwähnen, dass darauf nur blödsinnige Antworten kamen, die dümmste von einem hochdekorierten Medizinprof. Die erwähnte Juraprofessorin jedoch gab eine wunderbare Antwort. Sie sagte, sie habe mit Kind ihre Empathiefähigkeit ungemein trainieren müssen. Das sei für sie eine echte Bereicherung.

Über die Frage, ob mich meine Kinder zu einem besseren Menschen gemacht haben, habe ich seither unzählige Male nachgedacht.

Ich möchte der Juristin zustimmen, meine Kinder zwingen mich sehr viel mehr als die Gesellschaft im Allgemeinen zur Empathie. Ich muss mich mit ihnen auseinandersetzen, mich in sie hinein versetzen, sie verstehen – schon allein um mit ihnen irgendwie umgehen zu können ohne durchzudrehen.

Ich musste mich auch nicht nur mit ihren äußeren Bedürfnissen, sondern sehr viel mehr mit ihren inneren Bedürfnissen nach Geborgenheit und Sicherheit auseinander setzen. Ich muss täglich darüber nachdenken, wie ich ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubere und Kinder sind zu Glück ein dankbares Ziel solcher Überlegungen.

Viel mehr als meine Auseinandersetzung mit meinen Kindern hat mich jedoch die Auseinandersetzung meiner Kinder mit mir verändert und nachhaltiger geprägt. Meine Kinder gaben mir die Chance, mich selbst noch mal ganz neu kennen zu lernen.

Klar hätte ich das auch auf verschiedenen Wegen ohne Kinder erreichen können, aber doch muss ich zugeben, dass mich das Kinderkriegen direkt mit der Nase darauf gestossen hat.
Denn Kinder stellen schon als Zygote allerlei Fragen – vor allem an die Mütter.

Wer bist du? Was willst du? Was kannst du? Was willst du nicht? Was kannst du nicht?

Kinder stellen diese Fragen nicht, um uns zu ärgern oder gar zu therapieren. Sie stellen den Eltern diese Fragen, um ein Bild von sich selbst zu bekommen, um im Diskurs mit dem Gegenüber ein Ich auszubilden.
Auf die Frage: Wer bist du? Folgt im nächstens Schritt automatisch die Frage: Wer bin ich?

Nun ist es aber so, dass wir Erwachsenen uns meist zuletzt im Teeniealter so grundlegend mit diesen Fragen beschäftigt haben. Wir haben dann irgendeine Antwort gefunden, meist geprägt von dem Bild, wer wir gerne wären und weniger, wer wir wirklich sind. Und seither waren wir damit beschäftigt, diese Projektion, die wir damals von uns aufgestellt haben, irgendwie zu erreichen. Seither optimieren wir an uns herum, arbeiten und sparen um uns materielle Werte zu generieren, suchen den perfekten Partner usw.

Ja und dann kommt da jemand, der aus uns heraus (im wörtlichen Sinne) wissen will, wer wir denn jetzt eigentlich sind? So ganz wirklich: Mama, wer bist du?

Ich sag mal so: Wehe dem, der dann keine Antwort parat hat.

Das kann schon sehr schwierig werden, auf die oben genannten Fragen keine Antworten zu haben. Zumal wir dem fragenden Kind auch nicht entkommen können. Wir können uns ja nicht einfach umdrehen und gehen. Nein, wenn ich heute keine Antwort geben kann, so fragt mich dieses Kind morgen direkt die selben Fragen und übermorgen auch und jeden weiteren Tag. Das wird wohl erst weniger penetrant, wenn mein Kind sich von sich selbst ein vorläufiges Bild gemacht hat. Aber auch dann sind die Fragen nicht endgültig beantwortet, ist der Diskurs nicht einfach vorbei.

Und so muss ich sagen, ja meine Kinder haben einen sehr viel besseren Menschen aus mir gemacht, weil sie mich zwingen zu reflektieren, jeden Tag auf’s Neue zu beantworten, wer ich bin, was ich kann und was ich will. Und was ich alles nicht kann und nicht will.

Ich bin sehr viel klarer geworden, mein Selbstbild hat sich sehr stark geschärft und ich habe auch realisiert, dass es in meiner Macht liegt, nicht nur getrieben zu sein, sondern was ich will und was ich kann selbst zu bestimmen und das auch klar zu formulieren. Ich kann mich bewusst dazu entscheiden mich auf eine Weise zu verhalten. Und ich kann das auch bewusst so umsetzen, wenn ich will. Eine vielleicht triviale, aber für mich nicht selbstverständliche Erkenntnis, dass ich nicht nur abhängig bin.

Leider stelle ich fest, dass manche Eltern mit diesen Fragen kämpfen. Ich möchte behaupten, dass ein guter Teil der heutigen Verunsicherung, was wann wie richtig ist in Bezug auf Kinder, von der Tatsache herrührt, dass es auf diese Fragen keine einfachen endgültigen Antworten gibt. Man muss sie jeden Tag wieder beantworten und man braucht wirklich starke Nerven und viel Überlegung, Muse, Auseinandersetzung und Durchhaltevermögen, um Antworten zu finden, mit denen man gut leben kann. Manche bräuchten gar Unterstützung von außen, weil sie in der Reflexion allein überfordert sind. Und eigentlich hat man ja ganze vierzig Wochen Zeit, sich schon einmal Gedanken über diese Fragen zu machen. Denn wenn das Kind auf der Welt ist, dann ist es eigentlich zu spät. Dann gerät man massiv in Stress, weil eben kaum mehr Musestunden vorhanden sind, weil einem die Müdigkeit und die Hormone den Kopf vernebeln.

Die Kinder jedenfalls lassen sich von so Kleinigkeiten wie Zeit oder Schlaf nicht daran hindern die Eltern permanent mit den Fragen zu bombardieren.

Ich wünschte, Schwangeren würde die Zeit und Unterstützung gegeben, sich ihrem Selbstbild zu stellen, bevor es das Kind tut. Das würde allen wahrscheinlich einiges an Frust und Druck und Stress und Angst ersparen.



Der Medizinprofessor antwortete damals im Übrigen, er sei ein besserer Mensch geworden, weil er nachts, als er das weinende Kind herumtrug, seine medizinische Probleme wälzte und so zur Rettung der Menschheit beitrug. Was für ein Versager...

Freitag, 9. Dezember 2016

Sprachlos an Weihnachten

Nicht ich bin sprachlos. Jemand anders ist es. Aber von vorn.

Sprachlos kann man ja aus vielen Gründen sein: aus Freude und Überraschung, vor Wut, vor Entsetzen, auch vor Sorge. Wenn wir sagen 'Jetzt bin ich aber sprachlos.' dann meinen wir das ja nicht im wörtlichen Sinn, sondern im Übertragenen. Wir können ja dennoch reden, wenn auch manchmal mit zittriger Stimme.

Die Geschichte, die ich heute berichten möchte macht auch mich sprachlos oder eher hilflos, aber das ist nicht der Punkt. Es geht heute nicht um mich. 
Es geht einmal mehr um die Schwiegerfamilie. Eine schöne Tradition zur Weihnachtszeit. Ihr kennt das bereits.

Die Schwiegermutter ist nämlich sprachlos. Also im wörtlichen Sinne. Sie hat keine Stimme mehr. Offiziell kommt das wahrscheinlich von einem Virus - kann gar nicht anders sein - auch wenn da bisher nix Konkretes gefunden wurde. Diese Sprachlosigkeit, genauer die Stimmlosigkeit, hält etwa 6-18 Monate an und kann allein logopädisch behandelt werden. Langsam kehrt dann die Stimme zurück. Auch dass dieses Phänomen stets dann auftritt, wenn die Schwiegermutter kurz vorm Zusammenbruch steht oder etwas vollkommen Überforderndes passiert, kann nur Zufall sein. Aber so wirklich zufällig sprachlos ist die Schwiegermutter meines Erachtens nach nicht. Dass dem so ist verwundert mich nicht. Ich kann verstehen, dass ihr die Stimme versagt und ich will euch erzählen weshalb.


Im letzten Spätsommer erreichten uns Neuigkeiten. Freudige Neuigkeiten. Eigentlich. Die Schwägerin erwartet ein Baby. Freudig. Eigentlich. 

Nun möchte ich euch über die Schwägerin aufklären. Sie ist eine sehr schüchterne, freundliche Person. 176cm groß und damals ganze 47kg schwer. Das liegt natürlich daran, dass sie alles nicht verträgt, kein Gluten, keine Laktose, kaum ein Gewürz, keine Nüsse, das meiste Obst, sie hat eben auf alles eine Allergie und kann darum nicht einfach so essen wie wir. Das versicherte mir die Schwiegermutter vor Jahren. Dass ihre Tochter von dem wenigen, dass sie überhaupt anrührt gerade einmal zwei Löffel isst, bevor sie 'total satt' ist, mag nur eine meiner unqualifizierten Beobachtungen sein.

Jedenfalls haben die Schwägerin und ihr Gatte es jahrelang versucht, aber es ist halt schwer, sie hat nämlich ein Hormonproblem mit der Schilddrüse und darum keinen nennenswerten Zyklus, wie sie mir gestand. 

Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass ich äußerst feinfühlig mit der Schwägerin umgehe, mir meinen Teil denke und ihr eher immer ein offenes Ohr biete, statt Konfrontation. Dennoch, ich habe kaum eine Beziehung zu ihr und bin somit auch nicht in der Position, sie auf (natürlich nicht vorhandene psychische) Erkrankungen anzusprechen. 

Jedenfalls, irgendwie hat sie's geschafft schwanger zu werden. Die Schwiegermutter hat dann auch nicht versäumt uns gleich mitzuteilen wie glücklich sie über diese Nachricht ist. Ganz entzückend, wenn man bedenkt, wie entsetzt sie über jede meiner Schwangerschaften war. Aber dafür kann ja die Schwägerin nichts.

Nun sah ich meine Chance gekommen, Hilfe anzubieten. Ich offerierte umgehend, allerlei Babyzeugs zur Schwägerin zu transportieren. Zum ersten Mal war die Schwiegermutter sowas wie erfreut, immerhin hat die Schwägerin nun Bettchen, Autositze, Kleidung und sonstiges Zeugs im Wert von über 1000 Euro für lau da stehen. Aber Babyzeug ist ja auch teuer und was soll ich noch damit. Ist doch super, auch ich hab mich gefreut, dass das Zeug nicht im Keller vergammelt. 

Ich fing auch an Mails zu schreiben und zu telefonieren, denn sie erbat sich einige Tipps, was es mit Baby so zu organisieren gäbe. Ich versuchte bewusst ganz unideologisch zu antworten. Muss ja auch nicht jeder das Rad neu erfinden und wer weiß, an wen sie gerät, wenn sie Fragen hat über Produkte, Literatur etc. Sehr vorsichtig informierte ich sie auch, worum man sich frühzeitig kümmern muss, worum am besten erst nach der Geburt. Ihr kennt das...

Immer wieder fragte ich, ob sie meine Sachen schon ausgepackt habe, wie ihr alles gefalle - einfach um sie aus der Reserve zu locken. Stets erhielt ich die Antwort 'Ach, das ist alles noch so irreal, so weit weg.' Bisher war also kein Nestbautrieb in Sicht. Alles ganz cool kann man jetzt meinen. Tat ich auch, denn ich kenne die Schwägerin wie gesagt nicht sooooo gut. Ist ja auch jeder anders.

Dann kam die Nachricht, sie sei im Krankenhaus mit vorzeitigen Wehen in der 24. Woche. Das ist natürlich jenseits von Gut und Böse und geht im Ernstfall ziemlich sicher böse aus. Jedenfalls wollte man sie dort behalten, denn man sagte ihr die vorzeitigen Wehen hätten mit ihrer Anorexie zu tun und sie müsse jetzt liegen. Ende Gelände. Da ja aber die Schwägerin keinesfalls magensüchtig ist, machte sich meine Schwiegermutter prompt daran und befreite das arme Ding aus den Fängen der Medizin. 
Ich sag mal so: Der Gatte und ich berieten bereits, wie wir es mit den Kindern organisieren, falls es demnächst eine Beerdigung gäbe. 

Jedenfalls das Baby ist noch drin. Ihr Zustand ist unverändert. Sie schont sich. Die Schwiegermutter dreht vollkommen durch und da war natürlich auch sofort wieder die Stimme weg. Ach und die Schwägerin hat ja jetzt auch schon 2 kg zugenommen. Ihre Hose sei wohl etwas eng. Im 7. Monat. 

Was ich darüber denke? Dass es einen Grund hat, weshalb anorektische Frauen eine verminderte Fruchtbarkeit haben. Das hat keineswegs mit ner herkömmlichen Schilddrüsenfehlfunktion zu tun. Die ist da sicher nicht der Auslöser. 
Jetzt ist die Schwägerin aber jemand, der darauf trainiert ist, nie etwas selbst und ohne Hilfe zu machen. Kein 'Ich zieh das jetzt durch!' oder 'Das krieg ich schon hin.' Es ist immer alles ein Problem, so auch das Kinderkriegen. 
Ich wundere mich daher auch nicht darüber, dass die Schwägerin auch am Telefon vollkommen ruhig und nüchtern über all die Vorkommnisse spricht. Das kann man natürlich machen. Aber so eine Schwangere, die kein bisschen ängstlich, aufgeregt oder sonst wie emotional reagiert, wo doch alles immer noch in einer Katastrophe enden kann, die noch nicht einmal etwas über Baby und Geburt gelesen hat oder sich konkrete Gedanken gemacht hat, könnte eventuell, vielleicht ein bisschen als depressiv - ach lassen wir das. 

Tatsache ist aber, dass ein normaler Werdegang einer schwangeren Magersüchtigen folgendermaßen aussieht:
Unfruchtbarkeit - dann doch positiver Test - vorzeitige Wehen - Frühgeburt per Kaiserschnitt - kein Stillen - Wochenbettdepression. Die Kinder werden meist sehr klein und untergewichtig geboren, sind also lange in der Klinik.
Magersüchtige haben für all diese Ereignisse eine massiv erhöhte Wahrscheinlichkeit, selbst wenn sie in Therapie sind.

Man merkt mir schon an, ich werde zynisch. Ich biete weiterhin meine Hilfe an, versuche neutral als Gesprächspartner aufzutreten, ihr zuzuhören aber durchaus auch immer wieder nachzufragen. Es ändert nichts, ich kann ja nix machen, außer zuzuschauen und zu hoffen. Aber es ist schwer. 

Nun wollte sie von mir wissen, wie lange ich immer gestillt hätte und ob ich meine Geburten ohne Schmerzmitteln durchgezogen hätte. Es steckt ja oft viel mehr in den Frauen, als man auf den ersten Blick so sieht, aber eine vaginale 10-Stunden Geburt ist glaub nicht so das Wahre für sie. Ich habe mir überlegt, wie ich ihr wohl beibringe, einen Kaiserschnitt in Erwägung zu ziehen. Das würde ihr die Chance auf die größt mögliche Kontrolle über die Situation geben. Immerhin gehe ich davon aus, dass sie magensüchtig ist, weil das Essen womöglich das Einzige ist, was sie ganz alleine zu kontrollieren vermag. Alles andere entzieht sich ja ihrer Kontrolle. Diese erlernte Hilflosigkeit um die überbordende Fürsorglichkeit und Ängste ihrer Mutter zu kompensieren lässt der Schwägerin seit über 30 jähren kaum Raum für eine eigene Lebensgestaltung.

Jedenfalls, es ist ein Drama in viel zu vielen Akten. Der Vater des Kindes hat sich übrigens direkt mal aus der Affäre gezogen, da er ganz dringen am anderen Ende des Landes arbeiten muss. Und so sieht sich die Schwiegermutter mal wieder mit ihrer größten Angst konfrontiert, dreht so generell am Rad vor Sorge und da ist natürlich gleich wieder die Stimme weg. Auch eine Strategie keine Worte für das zu finden, was ihr mit ihrer Tochter widerfuhr und jetzt wahrscheinlich mit ihrem Enkelkind widerfahren wird. Der Kreis schließt sich. 

Und ich bin übrigens die böse Schwiegertochter, weil ich zwar einem Besuch der ganzen Familie zu Weihnachten zugestimmt habe, nicht jedoch dass die beiden Großen noch eine Woche allein bei den Großeltern bleiben. Wenn's knallt, dann müssen die beiden Kinder da nicht auch noch mittendrin sein. Man muss ja nicht noch künstlich zusätzlichen Stress provozieren. Aber sag das mal meiner Schwiegermutter. Die meint, ich wolle sie schon wieder persönlich ärgern aus Gehässigkeit...

So harren wir der Katastrophen, die da kommen. Mir fallen ja zahlreiche große und kleine Szenarien ein, die uns die Schwägerin bescheren könnte zu Weihnachten. Aber was weiß ich schon. Wahrscheinlich bin ich die psychisch Kranke hier. 

Ein Gutes hat das Ganze: wenn die Schwiegermutter keinen Ton heraus bekommt, kann sie mich auch nicht beschimpfen zu Weihnachten. Das wird ein seliger Spaß!

Mittwoch, 23. November 2016

Wie ich einmal Verrat an meinen Kindeskindern beging.

Ich habe da ein Problem. Es ist ein absolutes Luxusproblem. Es ist aber nicht nur mein Luxusproblem. Das Problem ist, dass ich den Luxus habe und andere das Problem.

Schon öfter berichtete ich von dem Superkindergarten der Kinder mit dem super Betreuungsschlüssel. Diese Einrichtung ist eine private Einrichtung und kostet pro Kind um die 1000 Euro pro Monat. 

Wir können uns das gerade so leisten, aber für die Babybetreuung nimmt man so einiges in Kauf. Für die Großen wäre das vielleicht schon nicht mehr so unbedingt nötig, aber es ist natürlich viel zu schön dort, um etwas an der Situation zu ändern.

T1 ist nun 5 Jahre alt und wird 2017 eingeschult. Ich berichtete bereits von dieser unglaublich tollen Privatschule. Alle ihre Kindergartenfreunde werden diese private Grundschule besuchen. Durch unseren exklusiven Kindergarten haben wir problemlosen Zugang zu dieser Schule ohne große Vorauswahl.

Diese Schule hat nicht nur kleine Klassen und 2 Lehrer/Erzieher pro Klasse, sondern individuelle Lernpläne für jedes Kind, viel Sport, freie Lernräume wie Science Lab, Holzwerkstatt, verschiedene Musikangeborte etc., sondern auch viel Klassen- und fächerübergreifendes Lernen, jahrgangsgemischtes Lernen, einen Lernplan der sich an den Neigungen und Interessen des Kindes orientiert, sehr viel soziales Lernen und Mitbestimmung der Kinder in Schulfragen... Ach, die Liste ist noch ewig lang.
Zusammen gefasst kann man wohl sagen, dass diese Schule das pädagogische Konzept an die neusten Erkenntnisse der Kognitionsforschung angepasst hat. 

Diese Schule bietet jedem Kind den bestmöglichen Start ins gesellschaftliche Leben.

Ich habe den Zugang zu dieser Schule und die Großeltern wollen das Geld dafür geben.



Aber ich habe da ein Problem. Es ist ein absolutes Luxusproblem. Es ist aber nicht nur mein Luxusproblem. Das Problem ist, dass ich den Luxus habe und andere das Problem.



Beim Infotag habe ich einen Fehler gemacht. Ich habe im Gespräch mit den anderen Eltern die Frage formuliert, ob es das Richtige sei, dieses Privatschulding anzufangen. Ich habe ja fast alle Eltern dort bereits gekannt. Ausnahmslos alle haben mich angeschaut, als sei ich der letzte Mensch, manche fragten, was diese Frage eigentlich solle und andere bemerkten abfällig, dass ich ja in dem Milieu sowieso falsch wäre, wenn ich mir schon solche Fragen stellen würde. 
Ich erschrak furchtbar über die Nonchalance, die Vehemenz mit der die anderen Eltern ganz klar ihr Kind beabsichtigen auf diese Schule zu schicken. 

Diese Eltern sind, wie ich, nicht selbst auf Privatschulen gegangen. Die haben das normale staatliche Schulsystem durchlaufen, stammten aber bereits aus Akademikerfamilien. Der vorbeschriebene Weg soll direkt in die Elite führen. Ihre Kinder werden diesen Weg mit Freude erfolgreich gehen.
Diese Kinder jedoch werden in ihrem ganzen Leben niemals mit Begriffen wie Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit tangiert werden. Für sie werden diese Begriffe leere Worthülsen sein. Sie werden jedoch die Leistungsträger der kommenden Generation sein. 


Ich stamme aus anderen Verhältnissen. Meine Eltern haben dafür gekämpft, dass es mir mal besser ginge. Und das tut es. Ich kann mein Kind auf eine Privatschule schicken. Ich kann das beste für mein Kind kaufen. Ich kann meinem Kind die bestmögliche Bildung und somit eine vergleichsweise extrem gute Zukunft kaufen.
Die Frage ist nur, ist es auch das Richtige?


Ich habe mir natürlich die staatliche Grundschule angeschaut, in deren Einzugsgebiet wir wohnen. Es ist die Grundschule in unserer Stadt, die die meisten Landes- und Gemeindemittel zur Verfügung hat. Die Lehrer sind toll. Das Gebäude etwa 10 Jahre alt. Das pädagogische Konzept für eine staatliche Schule sehr gut. Die Lernmethoden modern. Die Klassengröße vertretbar. Sie ist gratis. Es gibt mehrere Schulsozialpädagogen, mehrere Erzieher (wenn auch nicht so viele wie in der Privatschule). Es gibt sehr viele Projekte, die das soziale Lernen fördern sollen.

Diese Schule hat einen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund von 75%.

Darum wird sie vom Konzept so intensiv überarbeitet worden sein. Darum wird dieser Schule so viel Geld zur Verfügung gestellt werden. Aber der Ton dort wird sehr viel rauer sein, als auf der Privatschule. Das Kind wird sehr viel schneller, sehr viel selbstständiger werden (müssen) auf dieser Schule.


Ich weiß, dass T1 Veränderung hasst. Sie ist so unglaublich behütet aufgewachsen, so empathisch und bindungsorientiert erzogen - sie kennt diesen rauen Ton nicht. Und wie jede Mutter möchte ich sie dem nicht einfach so aussetzen. Ich habe die Möglichkeit sie vor all dem zu verschonen, sie weiter in ihrer Blase zu lassen, wo sie individuell gefördert wird, aber mit sehr viel mehr Händchenhalten, als in der staatlichen Schule. 

Ich weiß, dass ich meiner Tochter zutrauen kann, ihren Weg zu gehen, auch bei Gegenwind. Sie ist ein Sensibelchen, aber sie ist klug und wird Strategien finden, mit der Welt umzugehen. Aber es wird uns alle Tränen kosten und manchmal harte Arbeit werden. Sie wird manche Enttäuschung, manche Demütigung vielleicht, wegstecken müssen.

Ich weiß, dass sie lernen wird, damit umzugehen. Ich weiß, dass ich ihr auch dabei helfen kann. Ich weiß, dass ich die pädagogischen Unebenheiten zu Hause etwas ausgleichen muss, aber das kann ich auch. 

Ich weiß das alles, denn ich habe mitgeholfen ihren Rucksack zu packen. 

Ich weiß nur eines nicht. Ich weiß nicht, wie ich dem Kind den Rucksack aufsetzen soll, es zur Türe hinausführen soll und es ihm sagen soll: 'Hier mein Kind, hier beginnt dein Weg. Du hast alles was du brauchst dafür in deinem Rucksack. Aber ich kann dich nun nicht mehr tragen. Du musst auf deinem Weg nun selber gehen. Ich kann dich manches Stück begleiten. Aber ich kann dich nicht tragen und ich kann dir deinen Rucksack nicht tragen.' 

Ich weiß, es wäre das Richtige, dem Kind zuzutrauen, dass es seinen eigenen Weg geht. Das wird es nämlich tun. Mit Bravour. Denn sein Rucksack ist extrem gut gepackt.

Ich weiß nicht, wie ich mein Kind loslassen kann. Ginge sie auf diese Privatschule, so wäre stets jemand bei ihr, der ihr den Rucksack abnehmen könnte, der sie stets an die Hand nimmt, wenn sie unsicher ist, der sie vor Unwegsamkeiten bewahrt. Zumindest noch einige Jahre. Zudem ist das pädagogische Konzept der Privatschule natürlich ein knallhartes Argument. Meine Kinder werden alle niemals ungebildet sein, egal welche Schule sie besuchen. Nur wie einfach der Weg sein wird, das ist natürlich ein nicht zu unterschätzender Punkt. 

Das Richtige wäre es, das Kind mit seinem Bildungshintergrund auf eine staatliche Schule zu schicken, es nicht dem Solidarsystem zu entziehen. 
Das Richtige wäre aber auch, dem Kind die nur irgend bestmögliche Bildungschance zu ermöglichen, das beste Lernumfeld, die optimalen Entwicklungsmöglichkeiten.


Was ist schon das Richtige?

Ich weiß es nicht. Ich bin die mit dem Luxusproblem. Es tut mir leid. 

Donnerstag, 17. November 2016

Am Ende der Kompensation

Ich kompensiere nicht schlecht. Ich kann das echt gut. Und ich mache es in rauen Mengen. Ich ertrage auch viel. Vor allem Banales:

  • Das Baby schläft nicht.
  • Jede Stunde stillen.
  • Die Großen machen grad echt Radau, alle beide, jeder auf seine Weise.
  • Schulanmeldungen und mein Problem, dass ich selbst Schule gehasst habe und versuche die Schulwahl meiner Tochter nicht davon überschatten zu lassen.
  • Bewerbungsabsagen.
  • Geldsorgen.
  • Weitere Bewerbungen schreiben, auf die ich Absagen erhalten werde und die Angst und Selbstzweifel, die damit einher gehen.
  • Magen-Darm.
  • Baby schläft nicht und Erkältungen.
  • Der Versuch mein Gewicht nach der Schwangerschaftshungerkur zu halten.
  • Weihnachten bei den Schwiegereltern planen.


Keine weiteren Katastrophen bisher. Doch ich bin müde. Dann schrei ich eines der Kinder an, entschuldige mich, schäme mich, versuche nicht wieder zu schreien.

Am Ende des Tages um ca. 23.30 Uhr steht das Ende der Kompensation an. Ich liege im Bett und möchte heulen. Es ist so banal, ich trau mich fast nicht.

Es ist die Kompensation des Banalen.